KLARE KOMMUNIKATION – KLARE GRENZEN – KLARE AUSSTRAHLUNG

Das Besondere an der Arbeit mit dem Pferd ist, dass das Pferd ein direktes und ehrliches Feedback auf unser Verhalten und unsere Wirkung gibt. Es erkennt blitzschnell, ob unsere nach außen gezeigte Haltung mit unserer inneren Haltung tatsächlich übereinstimmt. Es erkennt jede noch so kleine Unstimmigkeit und reagiert umgehend darauf.

Das bedeutet mit einer authentischen Art zu führen "echt sein" im Denken, Fühlen und Handeln. Wenn die Körpersprache und die innere Haltung auseinanderklaffen, spürt das unser Gegenüber. Pferde sind Meister der Körpersprache. Wenn es um nonverbale Kommunikation geht, sind Pferde uns Menschen um Längen voraus.

Um dich akzeptieren zu können, verlangt das Pferd - wie von seinen Artgenossen auch - gewisse Führungsqualitäten. Es wird eher auf dein Verhalten und deine Körpersprache reagieren als auf deine Worte, obgleich das Pferd der Tonfall deiner Stimme wichtig ist, da es diesem wichtige Hinweise entnehmen kann.

Es braucht also klare Kommunikation, klare Grenzen, klare Ausstrahlung ! Dieses Prinzip ist auf jeden Bereich übertragbar.

Bei fehlender Klarheit in der Arbeit mit deinem Pferd oder in deiner Kommunikation können viele Missverständnisse passieren. Wir können uns als Reiter nach außen hin dominant - selbstsicher verhalten, doch das Pferd wird jede Unsicherheit wahrnehmen und auf diese reagieren, statt sich von der augenscheinlichen Dominanz und Selbstsicherheit beeindrucken zu lassen.

Ein Reiter, der seine Führungsrolle mittels respektloser Dominanz geltend zu machen versucht, wird sein Pferd eher verängstigen. Es wird sich infolgedessen seiner Natur entsprechend verhalten mit Flucht oder Kampf.

Ein Reiter, der im umgekehrten Fall eine einfühlsame Zuwendung zeigt, aber ohne Führungsanspruch ist, vermittelt dem Pferd seine Unterlegenheit. Sich unsicher und ängstlich zu zeigen, kann manches Pferd dazu auffordern sich respektlos zu verhalten.

Wenn ihm der Reiter keine sichere Führung bietet, wird es versuchen, selbst die Führungsrolle zu übernehmen, um auf beiden Seiten Sicherheit zu schaffen.

Die Arbeit mit dem Pferd ist auch eine Persönlichkeitsschulung!

Wenn du bereit bist, an dir zu arbeiten und deine Persönlichkeit zu entwickeln, dann wirst du merken, wie sich manches Problem in deinem Reiterleben fast von selbst auflöst.

Frage dich immer wieder:
Führe ich, folge ich, oder weiche ich gar aus? Beobachte genau, wie du dich in bestimmten Situationen verhältst.

Vielleicht verspürst du nicht genug Selbstvertrauen, um in der ersten Reihe zu stehen. Schaue, warum das so ist. Frage dich, was dir fehlt, um selbst die Führung in deinem Reiterleben zu übernehmen. Was fehlt dir noch? Schaue, ob du dich im Umgang mit anderen vertrauensvoll, fair und gerecht verhältst.

Wenn du möchtest, dass dein Pferd dich und deine Entscheidungen achtet und respektiert, dass es dir vertrauensvoll folgt, dann solltest du im gesamten täglichen Umgang mit deinem Pferd eine sichere, entspannte und gelassene Haltung entwickeln.

SPIEGELT MEIN PFERD MICH WIDER?

Diese Frage begegnet mir immer wieder in meiner Arbeit. Ich bin schon mit vielen unterschiedlichen Meinungen konfrontiert worden und möchte deshalb meinen eigenen Standpunkt zu diesem Thema darlegen.

Wenn dein Pferd angespannt, nervös oder unaufmerksam ist, muss es NICHT zwangsläufig deine eigene Stimmung widerspiegeln.

Du kannst innerlich noch so ruhig und entspannt sein, wenn einer der unten stehenden Punkte nicht gegeben ist, wird es vermutlich eine Reaktion seitens deines Pferdes geben, wie immer die auch aussehen mag.

Stelle dir zunächst folgende Fragen, um Klarheit zu schaffen:

  • Hat mein Pferd die Möglichkeit sich ausreichend im Freien zu bewegen, das heißt, zu springen, zu hüpfen, zu rennen, also genügend Zeit zum Toben, um sein Laufbedürfnis zu befriedigen? Bedenke, in der freien Natur laufen Pferde bis zu 16 Stunden am Tag und legen Strecken zwischen 20 bis 40 Kilometer zurück.
  • Wie sieht es mit meinem Training aus? Was genau mache ich und in welchem Trainingsintervall?
  • Ist es das passende Training für mich und mein Pferd? Ist mein Pferd oder sogar auch ich selbst eventuell unterfordert ODER vielleicht sogar überfordert?
  • Ist die Fütterung meines Pferdes exakt auf seine Bedürfnisse angepasst? Nur ein gesundes Pferd ist glücklich und leistungsbereit.
  • Bin ich selbst als Reiter fit und flexibel?
  • Habe ich das passende Equipment?
    Ein schlecht sitzender Sattel ist genauso unangenehm, wie ein zu kleiner Schuh der dich ständig überall drückt und schmerzt. Da ist Freude und Entspannung kaum möglich!
  • Wie ist der Gesundheitszustand meines Pferdes: Zähne, Bewegungsapparat usw.?

Wenn all diese Dinge passen, dein Pferd dennoch angespannt, nervös oder unaufmerksam ist, DANN ist es an der Zeit den Fokus auf dich zu legen, dich zu Fragen:

Wo in meinem Körper oder in meinen Gedanken bin ich vielleicht selbst angespannt, nervös oder unaufmerksam?

NATÜRLICH spielen das reiterliche Können als auch das Wissen, genauso wie die Erfahrung ebenso eine große Rolle.

Es geht vielmehr darum, Pferd und Reiter als Gesamtbild zu sehen.

Jeder von beiden bringt verschiedene Eigenschaften und Fähigkeiten mit, diese gilt es zu vereinen. Dann entsteht wahre Kunst, die Kunst des Reitens, wenn Pferd und Reiter zu einer Einheit verschmelzen.

GEDANKEN UND GEFÜHLE LENKEN KÖNNEN - SO GEHT'S!

Vielleicht bist du als Reiter gerade in einer Situation in der deine Gedanken und Gefühle dich voll im Griff haben. Du dich unsicher, traurig, frustiert oder ängstlich fühlst. Aber wie kommst du da am besten wieder raus?

Es geht nicht darum Gedanken und Gefühle zu unterdrücken oder gar den Deckel drauf zu geben, denn umso lauter werden sie mit der Zeit.

Wichtig ist nur, in diesen Gedanken und Gefühlen nicht hängen zu bleiben. Es geht darum ihnen eine neue Richtung zu geben.

Pferde verfügen über sehr fein gestimmte Sinne und sind ausserdem sehr sensibel, auch für unsere menschlichen Gedanken und Gefühle. Dein Pferd spürt ganz genau, was in dir vor geht. Es ist in der Lage, deine Handlungen zu beobachten und gleichzeitig deine Gefühle wahrzunehmen. Kleinste Abweichungen in deiner Gestik und Mimik registriert es sofort, auch wenn du selbst diese vielleicht gar nicht bewusst wahr nimmst.


Dein Körper spricht immer

Er verrät deine wahren Gefühle und nonverbale Botschaften werden schneller gesendet und empfangen, sie stehen weniger unter deiner bewussten Kontrolle. Sie zeigen deine Einstellung und deine Emotionen weitaus klarer und effektiver.

Beobachte andere Reiter und ihre Pferde. Welche Mimik, welche Gestik kannst du erkennen? Und was meinst du, verraten ihre Körper über ihre Gefühlslage?

Beobachte dich selbst. Achte bewusst auf deine Körperhaltung. Sind deine Schultern locker? Oder ist eine Seite höher oder niedriger als die andere? Was verrät dein Körper über deine Gefühlslage?

Welche negativen Gedanken und Gefühle saugen dir Energie und Freude?

Notiere dir deine Antworten. Wenn du Lust auf einen Austausch dazu hast, dann schreib mir deine Einsichten im Kommentar. Ich freu mich von dir zu lesen!

Herzlichst, Simone

22 Kommentare zu „KLARE KOMMUNIKATION – KLARE GRENZEN – KLARE AUSSTRAHLUNG“

  1. Toll geschrieben! Konnte einiges für mich erkennen!
    Ich ziehe wenn ich unsicher werde immer die schultern hoch und werde ganz steif- das pferd reagiert dann überhaupt nicht mehr so fein wie vorher und arbeitet nicht mehr so motiviert mit!

    Und jetzt beim durchlesen fiel mir auf das ich oft zu ungeduldig, „zu stressig“ arbeite mit dem pferd, das pferd darauf natürlich reagiert und mich das dann noch mehr stresst und unsicher werden lässt-diesen kreislauf muss ich durchbrechen! Das nächste mal werde ich bewusst darauf achten!

    1. Simone Braunstein

      Vielen Dank liebe Elisabeth! Schön, wenn du einiges erkennen konntest und für dich umsetzen kannst.

  2. Find ich toll auf den Punkt gebracht: die Zeit mit dem Pferd ist eine Persönlichkeitsschule! Wie glücklich können wir uns eigentlich alle schätzen diese Möglichkeit zu haben – eine schöne Erinnerung an das Wesentliche! Vielen Dank!

      1. Wunderbar stimmig, und auch, dass nicht alles immer ein Spiegel ist, ist eine wichtige Information. Mir gefällt es sehr gut, sowohl Führungsqualitäten zu haben als auch liebevoll und einfühlsam zu sein, in jedem Bereich des Lebens. Dankeschön für diesen wundervollen Text!

  3. Liebe Simone, dankefür diesen wertvollen Text.Ich betrachte auch alles aus der ganzheitlichen Perspektive von Mensch & Pferd.Denn wenn ein Stück von dem allen fehlt und diese nicht individuell gelöst werden,entsteht das Problem.

    1. Simone Braunstein

      Vielen Dank liebe Katja! Freut mich, wenn ich dich und andere Reiter dadurch motivieren und inspirieren kann.

  4. Nancy Härtel

    Sehr schön geschrieben. Auch ich versuche wenn ich nach der Arbeit gestresst in den Stall komme erst einmal zu entspannen nehme mir eine viertel bis halbe Stunde Zeit. Misten erst mal mein Stall und schmuse mit meinem Pferd. Erst dann fang ich an alles andere in die Wege zu leiten schau wie wir drauf sind und danach entscheide ich was wir tun. Bodenarbeit reiten oder gar nur spazieren gehen. Lg

    1. Simone Braunstein

      Vielen Dank liebe Nancy! Ganz toll finde ich deinen Ansatz, dass du dir erstmal Zeit nimmst, um anschließend ruhig und gelassen mit deinem Pferd zu arbeiten. Toll!

  5. Kerstin Yaempluem

    Wow, super geschrieben! Liebe Simone du bringst es wie immer auf den Punkt. Deine Arbeit mit Mensch und Pferd ist so kostbar. Meiner Meinung nach gibt es viele Trainer die das zwar vermitteln möchten, aber es nicht wirklich wissen wie das geht. Zu wissen wo steht mein Pferd und wo stehe ich? Mit dir liebe Simone habe ich all meine Antworten auf meine Fragen bekommen und wenn ich denke wo mein Pferd und ich vor einem Jahr waren, bin ich unglaublich Dankbar eine Trainerin wie dich gefunden zu haben. Auf noch so vieles mehr

    1. Simone Braunstein

      Vielen Dank liebe Kerstin! Ich freue mich so unglaublich für dich und dein Pferd, welch positive Veränderung eingetreten ist. Dafür bin auch ich sehr dankbar und freue mich auf alles, was wir gemeinsam noch erreichen und umsetzen.

  6. Die Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Wir können nicht ” nicht kommunizieren”. Das ist uns oft nicht bewusst. Doch da Pferde sehr feinfühlig sind , spüren sie es viel besser und früher, wie es uns geht .
    Danke, Simone, du hast dieses Verhalten wunderbar und gut verständlich beschrieben.

      1. Hallo Simone!!! Ich hatte das große Glück eine Woche bei zu verbringen und konnte so viel für mich und auch für mein Pferd mitnehmen wobei mein Pferd gar nicht nach Hause wollte!!! Von dir zu hören oder auch zu lesen beeindruckt mich jedes Mal !!! Ich bin dabei oder besser gesagt ich versuche das gelernt umzusetzen was nicht immer so einfach ist!! Dein Block ist super und gibt mir wieder eine Schwung einfach weiter zu machen und auf mein Gefühle zu hören !!!! DANKESCHÖN
        Liebe Grüße

        1. Simone Braunstein

          Ich danke dir von Herzen liebe Renate!! Ich wünsche dir weiterhin viel Freude beim Umsetzen des Gelernten. Streiche den Satz aus deinen Gedanken es ist nicht immer so einfach, sondern sage zu dir, ES DARF LEICHT SEIN! ES DARF SICH LEICHT ANFÜHLEN!

  7. ☺️ Hier hast du sehr schön wieder Bereiche aufgezeigt, die so schnell durch den Alltag verschwinden können
    . Ich mache mich auch gerne fest in den Schultern. Und bekomme prombt den Spiegel
    finde es auch sehr wichtig diesen wunderschönen Geschöpfen Sicherheit und Respekt zu geben die sie verdienen.
    Danke Simone

  8. Finde deinen Artikel so schön.
    “Echt sein”, dieses Schlagwort möchte ich mir aufschreiben und in den Stall hängen, denn genau das ist es, finde ich, was wichtig ist. Danke für den sehr informativen Absatz “ob mein Pferd mich widerspiegelt” und deine dazugestellten Fragen zum Aufarbeiten.

    1. Simone Braunstein

      Ich danke dir liebe Eva! Ich wünsche dir viel Freude beim Umsetzen der Fragen und dass du für dich wichtige Einsichten erlangst, die dich auf deinem Weg unterstützen.

  9. Liebe Simone,
    danke für den großartigen Text wie immer auf den Punkt gebracht. Betrachte dich, arbeite an dir entwickle dich weiter. So einfach sollte es sein!
    Danke,dass du mit deinem Text wieder zum hinschauen animiert hast.
    Zurzeit ist mein Training etwas unrund aber ich weiß auch, dass es an mir liegt.
    Ich laufe gerade auf Vollgas und irgendwie scheint die Bremse gerade blockiert zu sein bzw finde ich sie einfach nicht.‍♀️
    Mein Pferd arbeitet so nicht gerne mit mir und das zeigt er mir auch ganz klar auf.
    Was mache ich dagegen:
    Vor dem Training nehme ich mir jetzt 15 Minuten Zeit und konzentriere mich auf meine Atmung damit werde ich etwas ruhigerund entspannter.
    Sollte das an manchen Tagen einfach nicht funktionieren, verbringe ich die Zeit anders mit meinem Pferd.

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